die metzger der muse

… weil kunst mitunter doch von können kommt!

Im Wagen vor mir fährt ein schönes Mädchen…

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Grade musste ich bemerken, dass es Geschichten gibt, die sich anhand von Autos viel leichter erzählen lassen. So will auch ich mal das Garagentor öffnen.

Annabell war nämlich eigentlich ein stolzes Gefährt. Noch gar nicht so alt, mobil und mit Klimaanlage, Boardcomputer und Ledersitzen stimmten vor allem die inneren Werte. Nur waren da schon der ein oder andere Besitzer, der sein Herz so gar nicht an Annabell verlieren wollte. Beim Einkaufen den Pfeiler geknutscht, mit dem Schlüssel schon einige Kratzer hinterlassen und die Delle auf der Motorhaube war auch schon fast von Anfang an da. Ja, so wirklich konnte sich niemand an eine Annabell ohne diese kleine Macken erinnern. Sie gehörten einfach dazu – auch wenn Annabell damit so gar nicht zufrieden war. Sie ließ sich hängen, hatte keine Lust mehr zu Tanken und eine kleine Spritztour zu unternehmen.

Aber wie Annabell so ganz traurig über den Hinterhof schlich, fand ein Jüngling das arme Gefährt. Er hatte nicht viel Ahnung von Autos, schaute aber gerne Autorennen und war besonders von den roten Flitzern im Fernsehen sehr begeistert. So rot, wie Annabell auch einmal strahlte. Die kleinen Macken machten ihm nichts. Er strich mit dem nassen Schwamm nur einige Male über den matten Lack und schmierte etwas Politur auf die angeraute Autohaut. Ja selbst die Spur auf der Motorhaube glänzte jetzt wie die Narbe eines erfolgreichen Boxers im Scheinwerferlicht.

Ganz stolz präsentierte sich Annabell sofort auf der Hauptstraße ihrer kleinen Heimat. Das wiedergewonnene Selbstbewusstsein eines ehemals gekränkten Automobils musste schließlich mit quietschenden Reifen gefeiert werden.

Doch darauf wurden auch andere, begeisterte Autofahrer aufmerksam. Einer von ihnen winkte gleich mit dem Schraubenschlüssel. Ob Annabell auf neue Alufelgen hoffte – der Jüngling weiß es nicht. Aber sie schien schon vorher den ein oder anderen Scheinwerfer auf ihn geworfen zu haben. Nach einem kurzen Sprint zur Hauptstraße konnte der Jüngling nur noch Annabells glänzendes Heck dem Sonnenuntergang entgegen fahren sehen… und wie gerne hätte er selbst am Steuer gesessen.

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Author: mcmatten

Musikbegeisterter Pendler, begeisterungsfähiger Nörgler, neumünchner Niedersachse mit penetrantem Hang zu Apple, Musik, Fotografie und Werder Bremen!

2 Comments

  1. manchmal muß man sich damit abfinden nur der Notnagel zu sein, der eine angeknackste Psyche wieder aufpolieren muß. Aber auch das kann schön sein.. zumindest eine Zeit lang…

    Annabell, ach bitte komm doch schnell
    so schreib ich tääääglich
    mach das Leben wieder hell
    ach bitte Annabell…

  2. Ich sag nur: Auch Autos haben eine Seele und ihren Stolz. Vor allem kann man das in Steven King´s Christine gut sehen. Es handelt sich dort um einen 1957´er Chevy (auch rot).
    Nur mit einem Unterschied: Dieses Auto hat sich gewehrt.

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