So if you’re lonely
You know I’m here waiting for you
Leise und verträumt summt der kleine Emo in die Frühlingsnacht und… Gibt es überhaupt so etwas, wie eine typische Frühlingsnacht? Tausend Gedanken schießen ihm durch den Kopf. Klar gibt es klirrend kalte Winternächte, an denen er mindestens so verträumt wie in diesem Moment in den Himmel schaut, der bei dieser eisigen Kälte klar ist wie frisches Bergquellwasser und einen freien Blick auf die Sterne erlaubt, die er dann so gerne beobachtet. (more…)
„Hey giiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirl“, brüllt der kleine Emo. Noch vor wenigen Sekunden stand er am Fenster und vergewisserte sich, dass auch der letzte Bewohner dieses Hauses – außer ihm natürlich – die Tür hinter sich schloss. Sturmfrei. Ja! Sturmfrei hatte er, der kleine Emo! Und wenn Emo Ticon sturmfrei hat, wird er zum Rockstar. Vor noch weniger Sekunden sprintete er in sein Schlafzimmer, zog seine Sticks, die er höchstpersönlich nach einem ziemlich großen, fantastischen, nahezu unvergleichlichen Konzert gefangen hatte, aus dem speziell dafür vorgesehenen und ziemlich zeigbaren Stick-Fach, rannte am CD Player vorbei und drückte den Knopf der Knöpfe, bevor er mit einem riesigen Satz auf das Sofa sprang und schrie.
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Auch wenn dem kleinen Emo Ticon eine latente autobiografische Anmutung angedichtet wird und diese besonders in Punkto Musikgeschmack nicht von der Hand zu weisen ist, so belustigen mich die Gedanken meiner Leser doch ungemein. Danke dafür
Eigentlich wollte ich nur eine Figur schaffen, die mal außerhalb meiner Sorgen und Gedanken agieren kann und es mir vor allem erleichtert zu schreiben – auch und besonders über Musik.
Und während mein Zug gerade wieder verspätet aus dem Bahnhof ausfährt und ich diese Zeilen schreibe, habe ich den nächsten Song im Ohr, der die Hintergrundmelodie einer neuen Geschichte sein wird. Und liebe Leute – denkt nicht nach. Seht es als das, was es ist. Bespaßung eines Buchstabenexibitionisten.
„without your water I will die, won´t you care for me, won´t you caaaaaaare“, schwirrt es dem kleinen Emo von der Bühne in seinem Kopfkino entgegen, als er die Gießkanne leicht neigt. Tag für Tag benetzt er die kleine, zierliche Pflanze mit etwas kühlem Nass. Da ist er penibel, da ist er verlässlich, da lässt er nichts auf sich kommen. Schließlich weiß er, dass es Dinge gibt, die man permanent hegen und pflegen muss, damit sie heile und schön bleiben, damit sie wachsen und gedeihen. Ist man nachlässig, beginnt die Pflanze erst einmal zu welken, ist es schwer, sie wieder aufzupeppeln. Das weiß er. Und das erfordert noch viel mehr Energie… Und die mag doch meistens niemand aufzubringen. Das weiß er leider auch.
Er ist da anders, das kann er mit guten Gewissen sagen. „I am a flower, in the sun – I bloom. I am a flower, I grow for you“, singt die kleine Blume vor seinem geistigen Auge zurück. Heute ist er ein stolzer kleiner Emo…
„God it feels like it only rains on me“, summt sich der kleine Emo in seinen Flaum, streicht sein schwarz gefärbtes, eingeschäumtes Haar aus dem Gesicht und dreht sein Duschwasser ein wenig wärmer. Irgendwie ist ihm kalt – und außerdem kann man nach einer heißen Dusche tolle Dinge auf den beschlagenen Spiegel malen. Gedankenvoll zeichnet er schon wieder die tollsten Bilder vor seinem geistigen Auge…
Er zwingt sich aufzuwachen, raus aus den Gedanken und verfällt doch wieder in eins seiner Selbstgespräche. „Emo Ticon, mein Freund“, schreit er sich stumm ins Gewissen, „you can’t spell believe without lie!“. Ein kurzes Nicken, dann spült er den Schaum aus dem Haar und tastet mit geschlossenen Augen – er duscht am liebsten mit geschlossenen Augen, lauscht dem Plätschern des Wassers und spürt die heißen Tropfen auf seine Haut trommeln – nach dem flauschigen, schwarzen Handtuch. Ein Schritt in die Kälte, Gänsehaut, drei Sterne auf den beschlagenen Spiegel gemalt und wieder hinein in die merkwürdig fremde Welt, die sich Realität nennt. Gruselig…
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